Die Israelstele

Die Israelstele wurde Ende des 19. Jahrhunderts bei einer Grabung von Sir Flinders Petrie im ersten Vorhof des Totentempels des Königs Merenptah in Theben-West gefunden.
Die Stele aus grauem Granit ist 3,18 m hoch, 1,63 m breit und 31 cm dick und stammt vermutlich aus dem Totentempel Amenophis III.
Auf ihrer Rückseite -der ursprünglichen Vorderseite- ist noch die Originalbeschriftung zu sehen: Amenophis III, der vor Amun-Re opfert und die Pracht und Vielzahl seiner Bauten rühmt.
Das für uns interessante Dekor der anderen Seite zeigt zwei fast identische Darstellungen derselben Szene: Merenptah, der ein Sichelschwert von dem Gott Amun-Re von Karnak emfängt.
Auf der linken Seite, hinter der Figur des Königs erkennt man die Göttin Mut, die Gemahlin Amun-Res, sowie auf der rechten Seite Chons, den Sohn des Götterpaares, der die thebanische Triade komplettiert.


Der obere Teil der Israelstele

Den genauen Hieroglyphentext samt Übersetzung finden Sie HIER !

Die 28 Zeilen lange Inschrift gibt die Heldentaten des siegreichen Pharaos im Kampf gegen die libyische Koalition in seinem fünften Regierungsjahr wieder, genauer gesagt beginnt der Text mit dem Datum des dritten Tages des dritten Monats des Sommers im Jahre fünf der Herrschaft Merenptahs und schildert dann die Verkündung des Sieges der Ägypter über die ruchlosen Libyer, die Befreiung Memphis'und die Erneuerung eines Maat-gerechten Zustandes dort und das über das Libyerland gekommene Unheil, dessen feiger Anführer im Schutze der Nacht das Weite gesucht hat.
Der ganze Text ist in rhythmischen Stanzen abgefasst, also in einer Art Gedichtform - ein Epos und eine Hymne auf den König, vergleichbar mit der Poem genannten literarischen Überlieferung der Kadeschschlacht Ramses II, eine in der Ramessidenzeit sehr beliebte Literaturform.

Der Bericht endet mit einer Aufzählung der von Merenptah befriedeten Länder (ab Zeile 26):
' Die Fürsten werfen sich zu Boden und flehen um Gnade, niemand unter den Neun Bogen erhebt sein Haupt, Libyen ist eingenommen, das Hethiterreich hält Frieden, Kanaan ist mit allem Übel erbeutet, Askalon ist erobert, Gezer gepackt, Yenoam ausgelöscht und Israel liegt brach und hat keinen Samen mehr. Syrien ist zu Witwe geworden wegen Ägypten. Alle Länder sind in Frieden. Wer als Fremdling herumzieht, wird gebändigt (von Merenptah). '
Zwar entspricht ein Feldzug Merenptahs nach Norden nicht den historischen Tatsachen -zumindest ist bis jetzt keiner belegt-, dient aber wohl zur Bekräftigung der Macht und des starken Schutzes, das der König seinem Land angedeihen lässt.

Interessant hierbei ist allerdings die Nennung und Schreibung Israels, das ansonsten in keiner weiteren ägyptischen Quelle belegt ist.


Es handelt sich wohl um die Bezeichnung eines Volksstammes, wie die Determination des Wortes indiziert: der sitzende Mann, die sitzende Frau und die drei Pluralstriche, mit denen üblicherweise Menschengruppen determiniert werden.

Merenptah kann also nicht der Pharao des Exodus gewesen sein, da er nach diesem Sieg und der Herstellung der Stele noch mehr als vier Jahre gelebt hat.